Jetzt in der 2. ergänzten Auflage 2009:
»Zu Fuß von München nach Venedig.«
Ein Reise- und Erlebnisbericht vom Traumpfad über die Alpen.
Das Buch steht unter dem Motto:
Der Weg, den du gehst, beginnt im Herzen - oder er endet nirgendwo.
Gibt es eine Einheit im Wahrnehmen und Fühlen, im Denken und Handeln? Gibt es im Gang durchs Verstehen einen Weg zum Ich? Ein Techniker und Computer-Spezialist, gewohnt an all die sozial-technischen Mechanismen und Machbarkeiten unserer modernen Zeit, lernt eine ungewöhnliche Frau kennen, die ihn sofort elektrisiert, euphorisiert. Durch sie gerät seine bisher als sicher und verlässlich geglaubte Welt ins Wanken. Er erfährt in der Lang- samkeit eines neuen Gehens die Verwandlung seines Wahrnehmens und Sehens. Er erkennt darin einen neuen Zugang zu den tieferen Antrieben und Schichten seines Ichs; durch den er sich seiner eigenen Natur öffnet und sich selbst auf unerhörte Weise neu erlebt und kennen lernt.
Dieser Reise- und Erlebnisbericht ist ein philosophisch spiritueller Gang über die inneren Alpen ins gelobte Land, ins Arkadien der eigenen Antriebe. Der Buchheld Dr. h.c. Franz von Frömeling lernt auf diesem Weg zu sich selbst ganz neu wahrnehmen, auch sich selbst und die Welt, in der er lebt.
Dieser Wegbeschreibung vom Traumpfad von München nach Venedig liegt die Wanderung des Autors im Jahrhundertsommer 2003 und im Regenaugust 2006 zugrunde.
Dieser Reisebericht mit vielen Details zur Wanderung ergänzt die einschlägigen Reise-führer zum Traumpfad München Venedig: Zusammen mit einer spannenden Erzählung bietet er viele persönliche Erlebnisse und kulturelle Einblicke zusammen mit vielen, sehr schönen und einfühlsamen Fotografien, dazu zahlreiche Fakten und Beschreibungen zum Weg.
Im Glossar finden sich neben einer Packliste auch genaue Zeitangaben zu den Wander-stationen jeder Etappe und ca. 900 GPS-Wegpunkte (WGS84) , dazu zwei grafische Darstellungen des Gesamtwegs und ein Höhenprofil über die gesamte Wanderstrecke mit Entfernungs- und Höhenangaben.
Ca. 325 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen im gesamten Textteil in brillianter Qualität. Umfangreiches Glossar. 2. ergänzte Auflage 2009. ISBN 978-3-939518-23-5, Wiesenburg Verlag, € 19,80.
Dokumente zum Buch:
Das Inhaltsverzeichnis zum Buch
Meldung in der Süddeutschen Zeitung
Verweis zur Buchseite bei www.amazon.de
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Zwei Textproben aus: »Zu Fuß von München nach Venedig«
Philosophisches Gespräch zwischen Frömeling und Carmina, Seite 26 bis 30:
(...) Ich schwieg noch immer, forderte sie mit fragender Miene auf,
weiter zu sprechen; und sie tat es: „Der Mensch muss immer wieder zu
seinen ursprünglichen Quellen zurück, zum Ursprung hinabsteigen, ins
Offene sehen und ins Offene des Lebens hinein seinen Weg gehen, um den
Weg, der für ihn der richtige ist, immer wieder wiederzufinden; so wie
die eigentliche Geburt des Menschen ist: Gang in die Offenheit neuen
Lebens. Denn nur aus dem Ursprung erkennt er sich und sein Lebensziel,
das immer zugleich Abschied und Ankommen ist – also Weg.“ Und fügte
hinzu: „So sehe ich das.“
Ich war verblüfft, verdutzt,
unfassbare Worte für mich. Carminas scharfer Verstand, ihre
Ausstrahlung, gaben ihren Worten Gewicht. Und ihre Karriere als
Finanzexpertin machte sie für mich vollkommen integer. Also musste an
dem, was sie sagte, irgend etwas sein. Aber was?
Sie weckte eine
Neugierde in mir, auch wenn mir der Kopf schwirrte. Es fiel mir auf
ihr Gesagtes keine Frage ein, zu sehr war ich damit beschäftigt. Oder
waren es, weil es meiner Erfahrungswelt so gänzlich wenig entsprach,
Einbildungen, Phantastereien? Vielleicht Luftschlösser? Mein Verstand
ließ es mich glauben, aber irgendein tieferes Inneres sagte mir, dass
es um ihrer Willen und meiner Freundschaft willen zu ihr zu prüfen sei.
Aber wie? Und wenn, woran? An welcher Empirie? Daher sagte ich,
verunsichert, wie ich war: „Gut. Aber deine Therapie? Was heißt
Quelle? Ursprung? Hinabsteigen? Was du sagst, ist für keinen
überprüfbar, zum Beispiel empirisch“, und glaubte, ihr damit einen
schweren Stein in den Weg ihres Denkens gelegt zu haben.
Sie
schaute mich prüfend an. Ich sah, wie sie nachdachte. Plötzlich, als
wir auf das Südwehr über die Isar einbogen, lächelte sie und sagte
nachdenklich diesen einfachen Satz: „Ja. Es ist nachprüfbar –
tatsächlich“, und nach einem Moment fügte sie hinzu: „Mit deinem
eigenen Leben.“
Diese Aussage kam mir schamlos vor, wie eine
Ausflucht. Daher entgegnete ich ihr: „Aber, ist dieser Preis nicht zu
hoch, die Prüfung deiner Hypothese mit dem ganzen Leben bezahlen zu
sollen, das man schließlich nur einmal hat? Nur einmal leben kann?“
Sie
aber sagte deutlich und klar, mit gebotener Härte: „Aber du bezahlst
doch auch dein bisheriges Dasein auch mit deinem Leben. Also, was
macht es für einen Unterschied, etwas anderes zu probieren, das
vielleicht richtiger ist, richtiger in deinem Sinne: Im Sinne deines
Lebens, und dich, vielleicht die Menschheit weiter bringt?“ und
schaute mich überlegen und selbstsicher aus blitzenden Augen an.
Dieser
Satz saß. Ich spürte, dass sie mich damit auf mich selbst in der ganzen
Wahrheit meines Daseins zurückwarf. Ja, ich musste zugeben, sie hatte
recht: Man kann in jedem Augenblick seines Lebens sein Leben ändern, es
anders führen; alles, was war, hinter sich lassen, gerade weil es so
einmalig ist, weil es für einen, dieses eine Mal nur, den ganzen Raum
auf Zeit ins Dasein biegt.
Aber in welcher Weise konnte, sollte
solches geschehen? In welche Richtung sollte man daran gehen? Es gab so
viele Überzeugungen, Ideologien, Religionen und psychische oder vom
Gewissen diktierte Entschuldigungen, dass man sein wollte, wie man war,
nicht wer- den wollte, wie man sein könnte. Welche von allen diesen
Weltbildern war das richtige in jedem Moment eines Lebens? Welches Bild
der Welt, das man sich machte? Ich sagte daher zu ihr:
„Ich las
einmal, dass ein antiker Philosoph sagt, dass man, wenn man zweimal in
einen Fluss steigt, es nicht zweimal derselbe sei, wie man selbst, auch
wenn es äußerlich so erscheine.“
Carmina nannte sofort Details:
„Heraklit, vorsokratischer Philosoph, sein Satz lautet 'πάντα ρει̃ κὰι
ὸυδεν μένει' oder deutsch 'alles fließt und steht nicht still'“ und
fügte hinzu, während wir am Wehr der Isar an der Brüstung standen und
ins unten strudelnde Wasser schauten: „Die Welt ist ständig im Fluss
und im Wandel begriffen. Nichts bleibt sich gleich. Und wir mit ihr, so
wie der Fluss fließt, fließt unser Leben dahin und alles, was wir
ergreifen, ist einmalig, selbst wir selbst“ und ergänzte: „So werden
wir uns, wenn wir uns das nächste Mal sehen, nicht mehr die gleichen
sein, weil sich unsere Welt und wir uns mit ihr stets wandeln“ und,
während sie ins fließende Wasser unter uns schaute und wie ihre Worte
wirkten, fügte ich selber, ihre Worte ergänzend, hinzu: „Und werden
uns dennoch wieder erkennen.“
Und bei diesen Worten schaute sie
mich an, tief in die Augen blickend, und es schien mir, verstohlen
nur, dass sie mich liebe, doch, in einem Lidschlag weggewischt, besann
sie sich und fügte ein aus unglaublicher Tiefe beseeltes, einfaches
Wort hinzu: „Ja“.
Und nach einer kurzen Weile, indem wir
gemeinsam die glitzernde Isar hinaufschauten, dorthin, von wo sie
herkam, aus der Ferne, irgendwo aus den Bergen, ergänzte sie: „Und
merke dir für die Zeit und die Zeiten, in denen du wie wir alle leben:
Du hast nur in der Vielheit das Ganze und in den Gegensätzen die
Einheit, die in sich verschränkt das Leben am Fluss halten. Aber nur,
wer als Mensch gegen seinen eigenen Lebensstrom fließt, kommt zur
Quelle. Dorthin, wo alles beginnt und alles bestimmt wird, was danach
kommt. Denn du bist mit dem Baum und den Knospen und Blüten die Wurzel
und mit der Erde, aus der du kommst, der Stamm, der den Himmel trägt.
Und dieser will, weil du lebst, immer leuchtender werden.“ Und ich
spürte, dass sie recht habe, wenn ich auch nicht verstand, oder noch
nicht, was sie mit all dem meinte. (...)
Etappe 7, die Königsstrecke über die Birkkarspitze, Seite 112 bis 118:
Die Königsstrecke führt vom Karwendelhaus über den Schlauchkarsattel an
der Birkkar-spitze ins Hinterautal und von dort an der Kastenalm vorbei
zum Hallerangerhaus bzw. zur Hallerangeralm. Die Birkkarspitze ist vom
Schlauchkarsattel nur einen Abstecher von ca. 90 Höhenmetern entfernt,
die man, fühlt man sich frisch und unternehmungslustig genug, noch
mitnehmen kann.
Die Wanderung über den Schlauchkarsattel gehört
auf dem Weg nach Venedig zur an- spruchsvollsten, weil es die längste
und über einen der höchsten Punkte des Karwendels führende
Wanderstrecke ist. Startpunkt ist das Karwendelhaus in einer Höhe von
1.765 Metern. Der Schlauchkarsattel liegt auf 2.639 Metern. Es besteht
also zwischen beiden eine Höhendifferenz von 874 Metern.
Der Weg
beginnt gleich hinter dem Karwendelhaus mit einem steilen Einstieg in
eine mit Seilversicherung versehene Felswand, in der über hohe
Felsstufen und an Schneebarrieren vorbei gleich mal fünfzig Höhenmeter
absolviert werden müssen. Aber damit nicht genug: Gemäß Kartenstudium
vom Vorabend sollte der Wanderweg, der uns im Anstieg zum
Schlauchkarsattel erwartete, mit einer erheblichen Steilheit
aufwarten. Wir waren darauf gefasst, dass der Aufstieg unter den
Bedingungen eines hohen Gepäck-gewichts und – in meinem Falle – eines
lädierten Wanderschuhs einige Stunden benötigen dürfte, mögliche sich
verschlechternde Witterungsumstände gar nicht eingerechnet.
Doch
nach dem ersten Steilanstieg hinter dem Karwendelhaus ergab sich
zunächst ein in weitem Bogen um einen Vorberg herumführender, nur
leicht ansteigender Wanderweg, der gut zu absolvieren war. Er führt im
weiteren, bevor die Sicht auf den eigentlichen Schlauchkarsattel sich
öffnet, an der Abzweigung zu dem im Osten liegenden Hochalm- kreuz
(2.153 m) und den im Südwesten liegenden Ödkarspitzen (2.743 m) vorbei.
Doch
allmählich oder zumindest jetzt, wo das Karwendelhaus endgültig hinter
uns ver- schwunden war und die beiden Abzweigungen schon passiert
waren, suchten wir im weiten Schuttfeld dieses riesigen Tals, dessen
Anblick sich uns immer mehr öffnete, nach dem Weg, einem Pfad zwischen
Fels und Geröll unermesslichen Ausmaßes, der dort irgendwo hindurch
führen musste.
Wir sahen jedoch nur, dass sich hier zwischen
Hochalmkreuz und Ödkarspitzen ein rie- siges, nicht ohne Drehen des
Kopfes einsehbares Schuttkar erstreckte. Es war mit seinen immensen
Steinfluten in die östlich und westlich verlaufenden Bergzüge aus-
gebreitet, in denen kein Pfad zu erkennen war. Nur irgendwo in der
Ferne sah man gemächlich und schwer bepackt dahinschleichende schwarze
Punkte auf Beinen, die wie winzige Mulis in eigener Sache und mit
leicht wiegendem Schritt aufstiegen. Diese in einem fein gepunk- teten
Strich sich auslaufende Karawane von Wanderern schob sich am gerade
noch sichtbaren Horizont kaum merklich hinauf.
Oder war dieses
Schuttkar, je weiter es sich unseren Augen öffnete, der Steinbruch
Gottes vor aller Schöpfung, aus dessen Steinfluten sein Wort einen
paradiesischen Mine- raliengarten schuf? Als erstes Bild und Mosaik
eines verheißenen Landes, der besten aller Welten, geformt von seiner
oder von Menschenhand – Bilder, die einem im Zeit verzeh-renden, im
Kräfte kostenden Aufstieg durch den Kopf gingen und sich in der
Phantasie auslebten.
Dieser Weg würde alles andere als ein
leichter werden, sah man hier schon. Wie hypno-tisiert,
geistesabwesend, phantastisch phantasierend stieg man in dieses
unausschreit- bare Schuttkar auf, hoch hinauf bis zum Sattel, im
Rhythmus von Schritt und Gewicht; fühlte, wie klein man ist, wie klein
die eigene Welt, die in diesem Gigantischen zu einem Mikrokosmos des
Universums wird; einem Offenen, das in seiner Offenheit wie ein
schwarzes Loch der Seele alles, noch sich selbst verschlingt in
völliger Unfasslichkeit.
Je höher wir kamen, je näher uns der
Pfad zum Gipfelpunkt des Schlauchkarsattels brachte, öffnete sich
dieses Kar noch weiter, noch mächtiger, noch größer. Wir sahen das
ganze Ausmaß des in Breite und Tiefe hinter uns liegenden
Schuttkarkelchs. Man sah die Karawane der Geher und Gänger, die von
weit unten her oder schon weit oben, kaum sichtbar, am steilen und
mächtigen Kar ihre Punktlinie in Serpentinen und Kehren zogen. Dort,
in dieses sich immer wieder neu Öffnende hinein, mussten auch wir noch
vordringen.
In solchem steilen Anstieg mit schwerem Gepäck, wenn
sicher ist, dass es so mehrere Stunden zu steigen gilt, ist es wichtig,
den Kreislauf gleichbleibend zu belasten und die Atmung in langsamem,
kontrolliertem Rhythmus zu halten. Diese Steigweise ist für den Körper
die gesündeste, weil sie sichert, dass die Kondition gesteigert und der
Energie- abbau auf Basis von Fettverbrennung stattfindet, nicht auf
kurzzeitiger Zurverfügung-stellung von in der Leber gespeicherter
Glykose. Daher muss auch, je nach Stärke des zu bewältigenden Anstiegs,
die Schrittgeschwindigkeit erhöht oder verlangsamt werden, also immer
so, dass Pulsschlag im Verein mit Atmungstiefe und -stärke
gleichbleibend ist, ohne außer Atem zu geraten. Diese Gehweise stellt
eine insgesamt gleichmäßige Körperbelas- tung sicher und dürfte daher
am gesündesten sein. Sie garantiert auch ein Höchstmaß an
Konditionsausnutzung und -aufbau, eine Möglichkeit, für die sich
besonders solche eher langsamen Sportarten wie das Wandern eignen.
Doch
dieses gigantische Schuttkar, mit riesigen Vorbergen und Klippen, gab
noch immer nicht den Blick auf die Birkkarspitze frei; nur auf das, für
was wir sie hielten und sich später, ein zwei Stunden danach, als
Nebengipfel entpuppte, der nur tiefer oder ab- seitiger lag.
So
gingen wir stumm wie getriebene, tragwillige Tiere immer weiter unseren
Weg, Schritt um Schritt mit schwerem Rucksack belastet und Schuhen,
die nicht mehr wollten, was ihnen der Fuß gebot; wir, die Statisten in
einem überwältigenden Schauspiel, wandernde Ministranten in der
Geröllkathedrale der Natur, die mit einem unter den Füßen, statt über
den Köpfen eingezogenen, Stein gewordenen Gewölbe ausgestaltet war.
Nach
fast drei Stunden, es war zehn Uhr dreißig, war der Schlauchkarsattel
an der Birkkarspitze bestiegen. Wir hatten eine Höhe von 2.639 Metern
erreicht. Wir rasteten, befriedigt über diese Leistung, und aßen,
redeten, fotografierten oder begaben uns auf einen Abstecher zur
Birkkarspitze, zu der von hier noch neunzig Höhenmeter aufzu-steigen
ist. (...)
(c) Burkhard Wittek & Wiesenburg Verlag